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BÜRGERLICHE wollen Wachstumsbremse für Harsefelder Neubaugebiete - Wie sollte sich der Flecken Harsefeld entwickeln?

Harsefeld ist ein beliebter Wohnort. Der hohe Wohnwert resultiert neben der (mit Ausnahme der Verkehrsinfrastruktur) guten Infrastruktur auch aus der schönen und reizvollen, Harsefeld umgebenden, Landschaft. Die Einwohnerzahl ist in den letzten Jahren ständig gestiegen. Am 31.12.2020 hatte der Flecken 14.245 Einwohner. Die BÜRGERLICHEN lehnen bis zur deutlichen Verbesserung der Verkehrsinfrastruktur ein weiteres schnelles Wachstum ab. Die Wachstumsbremse ist aber auch aus folgenden Gründen erforderlich:

Das überproportionale Wachstum der Bevölkerung im Flecken Harsefeld ergibt sich daraus, dass wegen günstig verkaufter Bauplätze viele neue Bürger, besonders aus Buxtehude und Hamburg, nach Harsefeld gezogen sind.

Durch dieses Wachstum konnte die Infrastruktur (Gymnasium, Reaktivierung der Eisenbahn, Geschäfte) gestärkt und ausgebaut werden. Das Wachstum hat auch zu höheren Steuereinnahmen und zu höheren Schlüsselzuweisungen geführt. Die durch das Wachstum verursachten Kosten für Schulen und Kindergärten konnten über die vom Flecken Harsefeld in Eigenregie durchgeführten Baulandverkäufe gedeckt werden.

Mit dem Bevölkerungswachstum sind aber auch Nachteile verbunden. Es hat zu einer stärkeren Verkehrsbelastung und damit auch zu höheren Lärmimmissionen für die Bevölkerung geführt. Auch sind die Grenzen der Verkehrsinfrastruktur jetzt erreicht.

Zu beklagen ist auch der mit der Schaffung von Baugebieten verbundene, salopp als „Flächenfraß“ bezeichnete, Flächenverbrauch. Zu berücksichtigen ist, dass die mit der Schaffung von neuen Baugebieten verbundenen Eingriffe in den Naturhaushalt nach dem Naturschutzrecht kompensiert werden müssen. Hierdurch gehen im Regelfall weitere landwirtschaftliche Flächen verloren.

Die Inanspruchnahme naturnaher und landwirtschaftlicher Freiflächen für Siedlungs- und Verkehrszwecke bewegt sich in Niedersachsen nach wie vor auf hohem Niveau. Nach Angaben des Landesamtes für Statistik Niedersachsen betrug der tägliche Flächenverbrauch in Niedersachsen im Jahr 2015 im Mittel 9,3 Hektar. Die Niedersächsische Landesregierung hat sich im Rahmen der Nachhaltigkeitsstrategie für Niedersachsen (2017) das Ziel gesetzt, den Flächenverbrauch pro Tag bis zum Jahr 2030 auf maximal 4 Hektar zu begrenzen.

Hieraus ergibt sich, dass neue Siedlungsflächen nur dann geschaffen werden sollten, wenn dies zwingend notwendig ist. Der Bundesgesetzgeber hat in § 1 Abs. 5 Satz 3 des Baugesetzbuches bestimmt, dass die Siedlungsentwicklung vorrangig durch Maßnahme der Innenentwicklung, also innerhalb der Ortschaften, zu erfolgen hat.

In den letzten Jahren stieg die Bevölkerung im Landkreis Stade stetig. Nach der 14. koordinierten Bevölkerungsvorausberechnung - Basis 31.12.2018 – des Landesamtes für Statistik Niedersachen wird sich bei einem hohen Wanderungssaldo die Bevölkerung in Niedersachsen von 7 982.000 (Jahr 2020) bis zum Jahr 2030 auf 8 016.000, also um 34.000 Einwohner, erhöhen. Ab dem Jahr 2030 wird nach der Berechnung des Landesamtes für Statistik die Bevölkerung in Niedersachsen schrumpfen. Genaue Prognosen sind nicht möglich, da nicht feststeht, wie hoch die Zuwanderung in den nächsten Jahren sein wird. Auch im Landkreis Stade sterben zurzeit wesentlich mehr Personen als geboren werden Das statistische Landesheft Nr. 7/2021 des Landesamtes für Statistik Niedersachen verzeichnet für den Landkreis Stade (Jahr 2020) 2014 Geburten, 2415 Sterbefälle und einen Wanderungsgewinn von 889 Personen. Zu berücksichtigen ist, dass aufgrund des hohen Durchschnittsalters der Bevölkerung im Landkreis Stade die Anzahl der Sterbefälle zukünftig zunehmen wird.

Bezogen auf den Landkreis Stade und den Flecken Harsefeld bedeutet dies, dass bis zum Jahr 2030 wahrscheinlich nur mit einem geringfügigen Bevölkerungswachstum zu rechnen ist, wobei regionale Unterschiede nicht auszuschließen sind. Ein Großteil dieses Bevölkerungswachstums wird auf die Städte Buxtehude und Stade entfallen, die zurzeit große Baugebiete zur Errichtung von Mehrfamilienhäusern realisieren.

Sinnvoll erscheint es uns daher, neue Baugebiete erst dann zu erschließen, wenn innerhalb von Harsefeld zur Deckung des Bedarfes der Harsefelder Bürger keine geeigneten Baumöglichkeiten mehr vorhanden sind. Hierbei ist auch zu bedenken, dass aufgrund der Altersstruktur der Bevölkerung in den nächsten Jahren höchstwahrscheinlich viele, mit alten Gebäuden bebaute, große Grundstücke erworben werben können. Bei einer Neubebauung könnten auch Mehrfamilien-, Doppel- oder Reihenhäuser errichtet und dadurch mehr Wohnraum geschaffen werden. Die Erstellung eines Baulückenkatasters entsprechend § 200 Abs. 3 BauGB ist überlegenswert.

Der Flächennutzungsplan der Samtgemeinde Harsefeld eröffnet Möglichkeiten, Flächen in Harsefeld zu bebauen. Eine Fläche liegt beispielsweise zwischen dem „Brakenweg“ und dem östlich davon entstandenen Wohngebiet. In diesem Zusammenhang könnte auch mit den aus den Baulandverkäufen realisierten Gewinnen der „Brakenweg“ ausgebaut und mit einem kombinierten Fuß- und Radweg versehen werden. Eine Bebauung der 73 ha großen Landwirtschaftsfläche „östlich der K26n“ mit Wohngebäuden lehnen wir ab, da dies nicht notwendig ist und die Fläche der Existenzsicherung eines Vollerwerbslandwirts dient.