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Harsefelder Verkehrsstaus nur ein Gerücht? Zu den Staus an den Bahnübergängen Friedrich-Huth-Straße und Griemshorster Straße.

Schaut man sich die im Auftrag des Flecken Harsefeld vom Hamburger Gutachterbüro ARGUS am 10.10.2019 bezüglich der Verkehrsknotenpunkte an den Bahnübergängen Friedrich-Huth-Straße und Griemshorster Straße sowie der Einmündung der Jahnstraße in die Friedrich-Huth-Straße erstellte Verkehrskapazitätsanalyse an, könnte man meinen, in der Friedrich-Huth-Straße sei die Verkehrslage auch in den Hauptverkehrszeiten „im grünen Bereich“.

Denn ARGUS stellte in der Friedrich-Huth-Straße keine Defizite im Verkehrsfluss bzw. Rückstauereignisse, welche sich nicht innerhalb von 1-3 Umläufen auflösten, fest. Das hört sich zwar gut an, ist es aber nicht, wie wir täglich feststellen. Auf unseren Auskunftsantrag vom 03.03.2020 (siehe unten) hat ARGUS eine maximale Wartezeit von sechs Minuten und einen Rückstau in Richtung Hollenbeck bis zur Tankstelle Jahnstraße eingeräumt. Das wissen wir auch ohne ein teures Gutachten. Jetzt wissen wir aber auch, was Gutachter unter „keine Defizite im Verkehrsfluss bzw. Rückstauereignisse“ verstehen.

Immerhin: Beim Bahnübergang Griemshorster Straße hat ARGUS festgestellt, dass sich nach der Durchfahrt der Bahn temporäre Stausituationen von 5 - 10 Minuten einstellen.

Was ist seitdem passiert? Im Ergebnis nichts (wie nicht selten). Unser Ausschuss für Bau, Umwelt und Verkehr hat am 15.10.2019 beschlossen, dass die von ARGUS vorgeschlagene Optimierung der Bahnkreuzungsbereiche am Bahnübergang Griemshorster Straße umgesetzt und am Bahnübergang Friedrich-Huth-Straße untersucht werden soll. Seit dem 15.04.2020 ist die optimierte Ampelschaltung am Bahnübergang Griemshorster Straße in Betrieb. Haben Sie schon eine Verbesserung bemerkt? Wir nicht.

 

Welche Abhilfemöglichkeiten sehen die BÜRGERLICHEN?

A. Bahnübergang Griemshorster Straße

Der Bau einer von den BÜRGERLICHEN seit langem geforderten, zuletzt am 01.12.2020 von allen anderen Fraktionen im Ausschuss für Verkehr, Bau und Umwelt abgelehnten, Ortsentlastungsstraße von der K26n mit einer Überquerung der Bahnlinie zur Weißenfelder Straße und von dort aus über den Hoopweg zur Griemshorster Straße ca. 600 m südsüdöstlich des Verkehrskreisels Neuenteicher Weg. Von dort aus wäre der spätere Bau einer Ortsumgehungsstraße zur L124 zwischen Hollenbeck und Harsefeld möglich.

B. Bahnübergang Friedrich-Huth Straße und Einmündung der Jahnstraße in die Friedrich-Huth-Straße

Wir wollen anhand der Ergebnissen der von uns wiederholt - zuletzt am 31.07.2021 - beantragten Verkehrsflussanalyse feststellen, in welche Straßen sich der aus Richtung Hollenbeck kommende Verkehr verteilt und sodann die zur Verbesserung des Verkehrsflusses erforderlichen Maßnahmen einleiten. Denkbare Maßnahmen:

  1. Die Verbesserung der Signalsteuerung am Bahnübergang.
  2. Der Bau eines Verkehrskreisels im Bereich der Jahnstraße/Friedrich-Huth-Straße.
  3. Der Weiterbau der vorstehend unter A. von den BÜRGERLICHEN geforderten Ortsentlastungsstraße als Ortsumgehungsstraße bis zur L 124 zwischen Harsefeld und Hollenbeck südwestlich des Waldstückes.
  4. Alternativ zu 3.: Vorgezogener Bau eines letzten, ca. 550 m langen und damit finanzierbaren Bauabschnittes einer Ortsumgehungsstraße von der L 124 zwischen Harsefeld und Hollenbeck südwestlich des Waldstückes bis zur Verlängerung der Jahnstraße in Richtung Hollenbeck.
    • Beim dann notwendig werdenden Ausbau der Jahnstraße vom Kindergarten bis zur Ortsentlastungsstraße sollte neben der Jahnstraße auch ein kombinierter Fußgänger- und Radweg gebaut werden.
    • Perspektivisch könnte die vorgenannte Verbindung um ca. 800 m bis zum Brakenweg verlängert werden. Da die Flächen östlich des Brakenweges nach dem Flächennutzungsplan bebaut werden sollen, müsste die stärkere Verkehrsbelastung des Brakenweges bei der Aufstellung des Bebauungsplanes berücksichtigt werden (z. B. Grünflächen im Straßenbereich). Der Brakenweg müsste dann breiter und mit einem (schon jetzt erforderlichen) Fuß- und Fahrradweg ausgebaut werden. Diese Ausbaumaßnahmen könnten zum Teil aus Erlösen der Baulandverkäufe finanziert werden.
    • Die vorgenannte Verbindung würde jedoch dazu führen, dass der Neuenteicher Weg die Funktion einer Ortsumgehungsstraße erhält. Dies halten wir für die Anwohner des Neuentreicher Weges, die für ihre Grundstücke viel Geld ausgegeben haben, und für unsere Kids in der Kita „De Geestkinners“ für unzumutbar. Wir würden es deshalb vorziehen, diese Verbindung in einem Bauabschnitt vom Anschluss Jahnstraße aus nördlich des Braken im Abstand von ca. 300 m parallel zum Neubaugebiet „Am Rellerbach“ bis zur Griemshorster Straße fortzuführen.

Wir BÜRGERLICHEN werden uns auch weiterhin konsequent für optimierte Verkehrsabläufe mit deutlich geringeren Wartezeiten an den Bahnübergängen einsetzen. In Harsefeld müssen nach der Vernachlässigung der Verkehrsinfrastruktur in der „Ära Schlichtmann/Ospalski“ endlich zukunftsweisende neue Straßen sowie eine Brücke über die Bahn zwischen der K26n und der Weißenfelder Straße gebaut werden.

Abschnitte einer denkbaren Ortsumgehungsstraße

Abschnitte einer denkbaren Ortsumgehungsstraße

 


 

Nachstehend Einzelheiten zum ARGUS-Gutachten und unserem Auskunftsantrag

1. Bahnübergang Griemshorster Straße

Hier meinen die Gutachter, dass die Verkehre in den Morgenspitzenstunden bei einer Auslastung von ca. 85 % und einer Rückstaulänge von ca. 100 m bei einer Verkehrsqualität der Stufe D (hohe Werte für einzelne Fahrzeuge) leistungsgerecht abgewickelt werden.

In der Abendspitzenstunde erhöht sich die Auslastung auf 94 %, die Rückstaulänge auf ca. 150 m und die Verkehrsqualität auf Stufe E (Die Wartezeiten sind sehr lang). Die Unterbrechung des Verkehrsablaufs aufgrund der Bahndurchfahrt sowie aufgrund von Fahrzeugen, welche aus dem benachbarten Gewerbegebiet (Weißenfelder Straße) in den Knotenbereich abbiegen, verschlechtert die Situation zusätzlich, so dass sich nach der Durchfahrt der Bahn temporäre Stausituationen von 5 – 10 min einstellen.

Die Gutachter empfahlen eine signaltechnische Anpassung der bestehenden verkehrsabhängigen Steuerung der Lichtsignalanlage und - sollte die bestehende Steuerung keine Anpassung zulassen - eine Neuplanung der verkehrsabhängigen Steuerung.

2. Bahnübergang Friedrich-Huth Straße

Nach Auffassung der ARGUS-Gutachter konnten die Spitzenstundenverkehre sowohl in den Morgen- als auch in den Abendspitzenstunden leistungsgerecht abgewickelt werden. In den Spitzenverkehrsstunden konnten sowohl morgens als auch abends Wartezeiten von 35 s bzw. 39 s festgestellt werden. Selbst unter Berücksichtigung einer Bahndurchfahrt konnten keine Defizite im Verkehrsfluss bzw. Rückstauereignisse festgestellt werden, welche sich nicht innerhalb von 1-3 Umläufen auflösten.

Die Gutachter meinten jedoch, die Signalsteuerung weise genug Reserven auf, um mit einer Umschaltung der Signalsteuerung einen leistungsfähigeren Verkehrsablauf zu erzielen, falls perspektivisch Defizite oder Rückstauereignisse am Knotenpunkt beobachtet werden.

3. Einmündung Jahnstraße in die Friedrich-Huth-Straße

Hier können nach Aussage der Gutachter die Verkehre sowohl in der Morgen- als auch in den Abendspitzenstunden leistungsgerecht abgewickelt werden. Rückstaus infolge einer Bahnanforderung konnten innerhalb von 1-3 Umläufen abgebaut werden.

Die Gutachter meinen, dass die Umgestaltung des Einmündungsbereiches zu einem Kreisverkehrsplatz zu einer sehr guten Verkehrsqualitätsstufe A (nahezu keine Behinderungen, geringe Wartezeiten) gesteigert werden kann. Auch würde sich ein Kreisverkehrsplatz positiv auf den Radverkehr von der Friedrich-Huth-Straße zur Jahnstraße auswirken, da die Jahnstraße im Knotenpunktbereich nicht mehr ungesichert gequert werden müsste, um als Radfahrer auf der richtigen Fahrbahnseite zu fahren.

4. Beschluss des Ausschusses für Bau-, Umwelt und Verkehr vom 15.10.2019

Am 15.10.2019 beschloss der Ausschuss für Bau, Umwelt und Verkehr, dass die vom Büro ARGUS vorgeschlagene Optimierung des Kreuzungsbereiches K 26n/Griemshorster Straße umgesetzt werden. Es sollte auch der Bahnübergangsbereich Friedrich-Huth-Straße hinsichtlich eventueller Optimierungsmöglichkeiten untersucht werden.

5. Auskunftsantrag der BÜRGERLICHEN vom 03.03.2020

Am 03.03. 2020 haben wir Auskunft über die Umsetzung des Beschlusses vom 15.10.2019 beantragt. Nachstehend unsere Fragen und eingerückt die (unwesentlich gekürzte) Antwort unserer Verwaltung:

 

Wir bitten, uns den aktuellen Sachstand mitzuteilen, insbesondere wann die ARGUS beauftragt wurde und welche Arbeiten die ARGUS bisher erbracht hat.

Antwort unserer Verwaltung:

  • Folgeauftrag gem. Beschluss erteilt: 17.10.2019

  • Die Ausarbeitung einer optimierten Ampelschaltung wurde Ende 2019 abgeschlossen

  • Der Landkreis Stade … wurde in den Abstimmungsprozess mit eingebunden. Von dort wurde die Zustimmung zur Beauftragung der Optimierung am 10.02.2020 mitgeteilt

  • Die Beauftragung erfolgte am 04.03.2020.

  • Die Arbeiten zur Durchführung der Schaltung wurden am 15.04.2020 abgeschlossen.

  • Seitdem ist die geänderte Schaltung in Betrieb.
    Herr XXXXXX, Büro ARGUS, Hamburg, hatte diesbezüglich dem Unterzeichner mündlich mitgeteilt, dass er nochmals die Ampelschaltung im Bereich des Einmündungsbereiches Friedrich-Huth-Straße/Am Bundes- bahnhof hinsichtlich eventueller Optimierungsmöglichkeiten betrachtet habe. Im Zuge der Beratungen in der Bauausschusssitzung am 15.10.2019 wurden Optimierungsmöglichkeiten der Ampelschaltung „vermutet“. Nach nochmaliger Prüfung kommt Herr XXXXX jedoch zu dem Ergebnis, dass die derzeitige Ampelschaltung, insbesondere auch in Bezug auf die verschiedenen Wechselwirkungen der Schaltungen untereinander, als optimal im Sinne der Möglichkeiten anzusehen ist.

Auf Seite 4 der Analyse hat die ARGUS bezüglich des Rückstaus am Bahnübergang Friedrich-Huth­ Straße ausgeführt: "Rückstaus infolge einer Bahnanforderung konnten innerhalb von 1 - 3 Umläufen abgebaut werden, wie die Videoaufnahmen zeigen".

Wir bitten, die Firma ARGUS zu ersuchen, folgende Fragen zu beantworten:

 

Fragen 1 bis 5 der BÜRGERLICHEN und (eingerückt) die Antworten vom Büro ARGUS, HH

1) Wird in diesem Zusammenhang unter „Umlaufzeit" die Zeit vom Beginn der Rotphase der Ampel vor dem Schließen der Bahnübergangsschranken bis zum Beginn der Grünphase der Ampel nach der Öffnung der Bahnübergangsschranken verstanden?

Ein Umlauf bezeichnet den Zeitraum ab Betrachtung bis Wiedereintritt der Identischen Verkehrssituation, also beispielweise ab Grünbeginn einer Fahrtrichtung bis zum erneuten Grünbeginn dieser Fahrtrichtung im nächsten „Umlauf.“ Da die Steuerung der Lichtsignalanlage (LSA) Friedrich-Huth-Straße/K26n verkehrsab- hängig ist, kann die Umlaufzeit variieren. Zur Bemessung der Kapazität in der Verkehrsuntersuchung wurde in den Spitzenstunden das Programm „volle Anforderung aller Verkehrsströme und volle Bemessung dieser“ zugrunde gelegt. Dieses Programm hat eine Umlaufzeit von 102s. In den Videos konnte ein Abbau des Rückstaus von der LSA Friedrich-Huth-Straße/K26 bis zur LSA Friedrich-Huth-Straße/Jahnstraße infolge von doppelter Bahnanforderung in einem Zeitraum von 5-6 Minuten festgestellt werden. Dies entspricht also ca. 3 Umläufen.

2) Welche Umlaufzeit haben die Gutachter zugrunde gelegt?

Signalprogramm VA2 alle Anforderungen und Bemessungen - 102s

3) Wie lang war der maximale Rückstau in Richtung Hollenbeck?

Nach Prüfung der Videos konnte bei Schrankenschließung aufgrund einer Bahnanforderung ein temporärer Rückstau bis auf Höhe der Tankstelle Jahnstraße festgestellt werden.

4) Wie lang war der maximale Rückstau in Richtung Ortsmitte?

Diese Frage können wir nicht beantworten, da die Kamerastandorte eine solche Beobachtung nicht zuließen.

5) Wie war die maximale Wartezeit bei Bahnanforderungen (Schließen der Schranken)?

Der reine Zeitraum der Schrankenschließung betrug 60 — 90s. Die maximale Wartezeit der Verkehrsteilnehmer nach Schrankenöffnung muss in Abhängigkeit der Position im Rückstau betrachtet werden. Das erste Fahrzeug vor der Schranke konnte nach Schrankenöffnung direkt abfahren und hatte daher eine Wartezeit von ca. 90s. Fahrzeuge, welche zum Zeitpunkt der Schrankenschließung im hinteren Bereich des Rückstaus standen (Höhe Jahnstraße), benötigten nach doppelter Schrankenschließung ca. 6min bis zum Überfahren des Knotenpunkts Friedrich-Huth-Straße/K26n.